Die vier Phasen einer Beziehung

Die vier Phasen einer Beziehung

24 Feb Die vier Phasen einer Beziehung

Was genau passiert eigentlich bei einem Paar, das sich kennenlernt, verliebt und eine Partnerschaft eingeht?

Wenn Sie an Ihre eigene Beziehung zurückdenken, oder auch an die Beziehungen, die Sie in der Vergangenheit hatten oder in der Jugend, können Sie sich an eines bestimmt erinnern: an die Schmetterlinge im Bauch. Vielleicht war es nicht immer gleich stark, aber es war DAS Zeichen, dass Ihnen sagte: SIE oder IHN will ICH!

Diese erste Phase heißt logischerweise Verliebtheitsphase. Was passiert da? In unserem Körper wird ein Cocktail aus Endorphinen, Hormonen und sonstigem, die dem eines Süchtigen gleicht. Wir sind besessen von dem Wunsch, ihn – oder sie – zu sehen, zu fühlen, zu spüren, mit dieser Person zu verschmelzen. In dieser Phase lösen sich auch durchaus die Grenzen zum Individuum auf. Man wird eins, man fühlt sich eins. In dieser Phase gilt das Paar als nicht zurechnungsfähig. Die Gedanken kreisen um nichts anderes als um die geliebte Person. Manchmal ist so eine Verliebtheit auch schnell vorbei. Aber sie kann in dieser Intensität bis zu einem Jahr dauern. Länger oder sehr viel länger dauert die Verliebtheitsphase eigentlich nicht. Der Körper wäre dazu auch kaum in der Lage, diesen Ausnahmezustand länger auszuhalten.

Langsam ebbt das Gefühl des ewigen Rausches nun also ab. Er und Sie nehmen nun wieder ihre Außenwelt wahr. Sie distanzieren sich ein kleines Stück voneinander, sodass wieder Platz ist, sich als Individuum wahrzunehmen. Und dieses Stückchen wegrücken ermöglicht jetzt auch, den anderen von außen zu betrachten: Wer ist das eigentlich, nachdem ich mich verzehre? Was macht er/sie so? Wie sind seine/ihre Freunde? Wie ist seine Familie? Wofür interessiert er sich? Die beiden wollen jetzt also ihren Partner kennenlernen. Sie sind also in die Kennenlernphase/Faszinationsphase eingetreten. Er und sie führen ihren neuen Partner jetzt auch in den Freundkreis ein, vielleicht kommt es zu einem ersten Treffen mit der eigenen Familie. Meistens werden dann andere Traditionen, Lebensweisen und Ansichten der Familie des Partners und seines Freundeskreises als faszinierend und bereichernd empfunden. Gegensätze finden beide spannend und nicht als Hindernis. Wichtig in dieser Phase ist, dass beide dabei Gemeinsamkeiten erkennen und Ähnlichkeiten erleben. Empfinden beide diese als zu gering oder nicht tragfähig, kann es zur Trennung kommen.

Doch mit dem Kennenlernen, der kleinen Distanz, die zwischen ihnen entstanden ist und dem klaren Blick entdeckt jeder von beiden nun auch die Macken des anderen. Und das Paar tritt in eine neue Phase ein:  Die Umerziehung! Was vorher an dem anderen, seinem Freundeskreis und seiner Familie so wahnsinnig toll und faszinierend war, wird nun kritisch hinterfragt. Das eigene Weltbild und die eigenen Vorstellungen treten wieder in den Vordergrund. Es wird jetzt schon auch mal angemerkt, kritisiert, die eigenen Vorstellungen wieder als die Richtschnur angesehen. Jetzt ist die Beziehung am Fragilsten. Viele Beziehungen scheitern hier, denn jeder von beiden möchte sich durchsetzen. Keiner kann so richtig verstehen, wie er sich in diese Person verlieben konnte – oder zumindest so sehr verlieben konnte. Ist seine/ihre Familie extrem anders, wird das jetzt als „unnormal“ empfunden. Alles könnte, so empfindet jeder von beiden, so schöne und perfekt sein, wenn sich nur der andere ändern würde. Es ist die erste Krise, die beide jetzt erleben. In dieser Phase trennen sich die meisten Paare. Oft wird vermutet, hier sei die Liebe vorbei. Das ist allerdings nicht richtig – ganz im Gegenteil. Das Kennenlernen des wahren Ichs des Partners ist der Anfang zur Vertiefung der Liebe. Paare, die diese Phase überstehen, gehen meist erst einmal gestärkt daraus hervor und kommen in die nächste Phase:

Die Konsolidierung. Hier akzeptieren sich die Partner (vorübergehend) so, wie sie sind. Beide empfinden ihre Beziehung als gefestigter, tiefer und belastbarer. Wie lange diese Phase anhält, ist unterschiedlich, denn die Phasen werden immer wieder von den Paaren durchlaufen. Es kann auch passieren, dass sich Paar in der Konsolidierung so wohl fühlt, dass es ganz vergisst, sich zu reiben, sich anders zu erleben, sich in Frage zu stellen – und sich auseinanderlebt, die Beziehungsarbeit schleifen lässt und das Interesse am anderen verliert.

In welcher der Phasen befinden Sie sich gerade? Woran machen Sie das aus?

Foto: Unsplash/Kristina Litvjak